Play / Don´t Play

Der neue Roman von Thomas Matschoss
Lesung und Buchpremierenparty

Zwei Coronawinter lang hat Thomas Matschoss an seinem neuen Roman geschrieben und währenddessen immer wieder Zoomlesungen der gerade entstehenden Geschichte veranstaltet. Die neuesten Kapitel wurden vorgelesen und sich dann mit dem Publikum über das gerade Gehörte ausgetauscht. Jetzt ist der Roman fertig!

Der Schauspieler Martin Geisler und Thomas Matschoss lesen aus PLAY / DONT PLAY und wir feiern zusammen das Erscheinen des Buches.

Und so beginnt der Roman:

„Die Geschichte beginnt in einer dieser Vollmondnächte, die so hell sind, dass man nicht einschlafen kann, selbst wenn man den ganzen Tag schwer gearbeitet hat. Einen Riesen Haufen Holz gehackt oder ein halbes Haus gebaut, solche Sachen. Wenn der volle Mond orange glüht und ganz tief über dem Horizont schwebt, so dass man lange Schatten wirft – mit orangenen Umrandungen -, vor denen man an schlechten Tagen selber Angst bekommt.
Aber es war kein schlechter Tag. Und ich war nicht ängstlich. Nicht zu dieser Zeit. Ich war 12 Jahre alt und eine aufregende Zukunft lag vor mir. Eine Zukunft, die ich mir erobern würde. Erobern nicht in dem Sinn einer militärischen Operation, sondern als Metapher für eine explodierende Neugier, die all die sinn – und endlosen Wiederholungen von nur aus purer Langeweile eingeübten Tagesabläufen und nur für uralte Menschen begreifbare Rituale in die Luft sprengen würde.
Aber da hatte ich mich getäuscht. Etwas war in diesem Moment tatsächlich weggesprengt worden und es dauerte viele Jahre, bis ich begriff, dass das die Vorstellung von Zukunft überhaupt war. In der Sekunde als ich mich gebückt hatte, um etwas aufzuheben, das mir wie ein Handy vorkam. Es lag im Gras und leuchtete matt im Licht dieses alles der orangefarbenumrandeten Helligkeit übergebenden Vollmondes.
Ich merkte sehr schnell, es war kein Handy. Aber es hatte einen Bildschirm. Und zwei Buttons. PLAY. Das war der eine.
DONT PLAY. Das war der zweite.
Ich drückte auf PLAY. Und damit änderte sich alles.
Oder gerade nicht.
Das versuche ich seitdem herauszufinden. Und ich bin jetzt fast 94 Jahre alt. Es ist die Silvesternacht des Jahres 2093. Ich sitze in einem kaputten Hochhaus in Colombo, Sri Lanka und warte.
Und noch immer glaube ich, dass etwas explodieren wird.
Wenn man einen Menschen ansieht, also wirklich ansieht, nicht nur hin – und gleich wieder weg – denn dann sieht man nur sich selbst und davon auch nur die Oberfläche – also wenn man den anderen wirklich betrachtet und man genau so betrachtet wird – und das für eine lange Zeit – und lang, das heißt immer etwas länger als das, was einem eigentlich schon lang vorkommt – also wenn man jemanden auf diese Art für eine wirklich lange Zeit anschaut, dann verändert sich die Welt.
Das hat er gesagt. Brendan Ford. So hat er sich mir vorgestellt. Vor vielen Jahren. Es war ebenfalls in Colombo, Sri Lanka. Ein Teehaus. Ich war da im Urlaub. Oder auf der Flucht. Je nachdem, wie ihr die Geschichte versteht. PLAY oder DONT PLAY.
Also nur damit du nicht denkst, es geht hier um irgendeine philosophische Scheiße.
NEIN. Es geht um die handfesten Dinge des Lebens. Gewalt. Liebe. Tod.
Und ich fange von vorne an. Ich gebe nicht auf. Ich fange wieder an. Deshalb erzähle ich dir diese Geschichte. Und am Ende wirst du wissen, was du zu tun hast.“
Vorstellungen
Samstag 15. April 2023 Karten kaufen

Play / Don´t Play

Der neue Roman von Thomas Matschoss
Lesung und Buchpremierenparty

Zwei Coronawinter lang hat Thomas Matschoss an seinem neuen Roman geschrieben und währenddessen immer wieder Zoomlesungen der gerade entstehenden Geschichte veranstaltet. Die neuesten Kapitel wurden vorgelesen und sich dann mit dem Publikum über das gerade Gehörte ausgetauscht. Jetzt ist der Roman fertig!

Der Schauspieler Martin Geisler und Thomas Matschoss lesen aus PLAY / DONT PLAY und wir feiern zusammen das Erscheinen des Buches.

Und so beginnt der Roman:

„Die Geschichte beginnt in einer dieser Vollmondnächte, die so hell sind, dass man nicht einschlafen kann, selbst wenn man den ganzen Tag schwer gearbeitet hat. Einen Riesen Haufen Holz gehackt oder ein halbes Haus gebaut, solche Sachen. Wenn der volle Mond orange glüht und ganz tief über dem Horizont schwebt, so dass man lange Schatten wirft – mit orangenen Umrandungen -, vor denen man an schlechten Tagen selber Angst bekommt.
Aber es war kein schlechter Tag. Und ich war nicht ängstlich. Nicht zu dieser Zeit. Ich war 12 Jahre alt und eine aufregende Zukunft lag vor mir. Eine Zukunft, die ich mir erobern würde. Erobern nicht in dem Sinn einer militärischen Operation, sondern als Metapher für eine explodierende Neugier, die all die sinn – und endlosen Wiederholungen von nur aus purer Langeweile eingeübten Tagesabläufen und nur für uralte Menschen begreifbare Rituale in die Luft sprengen würde.
Aber da hatte ich mich getäuscht. Etwas war in diesem Moment tatsächlich weggesprengt worden und es dauerte viele Jahre, bis ich begriff, dass das die Vorstellung von Zukunft überhaupt war. In der Sekunde als ich mich gebückt hatte, um etwas aufzuheben, das mir wie ein Handy vorkam. Es lag im Gras und leuchtete matt im Licht dieses alles der orangefarbenumrandeten Helligkeit übergebenden Vollmondes.
Ich merkte sehr schnell, es war kein Handy. Aber es hatte einen Bildschirm. Und zwei Buttons. PLAY. Das war der eine.
DONT PLAY. Das war der zweite.
Ich drückte auf PLAY. Und damit änderte sich alles.
Oder gerade nicht.
Das versuche ich seitdem herauszufinden. Und ich bin jetzt fast 94 Jahre alt. Es ist die Silvesternacht des Jahres 2093. Ich sitze in einem kaputten Hochhaus in Colombo, Sri Lanka und warte.
Und noch immer glaube ich, dass etwas explodieren wird.
Wenn man einen Menschen ansieht, also wirklich ansieht, nicht nur hin – und gleich wieder weg – denn dann sieht man nur sich selbst und davon auch nur die Oberfläche – also wenn man den anderen wirklich betrachtet und man genau so betrachtet wird – und das für eine lange Zeit – und lang, das heißt immer etwas länger als das, was einem eigentlich schon lang vorkommt – also wenn man jemanden auf diese Art für eine wirklich lange Zeit anschaut, dann verändert sich die Welt.
Das hat er gesagt. Brendan Ford. So hat er sich mir vorgestellt. Vor vielen Jahren. Es war ebenfalls in Colombo, Sri Lanka. Ein Teehaus. Ich war da im Urlaub. Oder auf der Flucht. Je nachdem, wie ihr die Geschichte versteht. PLAY oder DONT PLAY.
Also nur damit du nicht denkst, es geht hier um irgendeine philosophische Scheiße.
NEIN. Es geht um die handfesten Dinge des Lebens. Gewalt. Liebe. Tod.
Und ich fange von vorne an. Ich gebe nicht auf. Ich fange wieder an. Deshalb erzähle ich dir diese Geschichte. Und am Ende wirst du wissen, was du zu tun hast.“
Vorstellungen
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